09.07.2008

 

  Christina Bader-Johansson über Wilhelm Reich
  Körperpsychotherapie®, Die Nahtstelle zwischen Körper und Psyche
  Geschichtlicher Abriss der Körperpsychotherapie®

 

Christina Bader-Johansson über Wilhelm Reich

Wilhelm Reichs frühe Jahre und die Zeit in Skandinavien - Ihre Einflüsse auf die Entwicklung der Körperpsychotherapie

Die wissenschaftliche Arbeit von Christina Bader-Johansson befasst sich mit der Geschichte der Körperpsychotherapie, mit der Biografie Wilhelm Reichs und mit seinem Denken und Schaffen. Ganz besonderes Augenmerk legt sie dabei auf seine Jahre in Skandinavien und die Auswirkungen seiner Ideen auf die moderne Körperpsychotherapie sowie die skandinavische, psychosomatische Physiotherapie.

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Jegliches Copyright liegt bei der Autorin Christina Bader-Johansson.

 

Körperpsychotherapie, Die "Nahtstelle" zwischen Körper und Psyche

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In der Zeit des Wertewandels wird für Einzelne und Organisationen Identität immer mehr zur Aufgabe, weil die Anforderungen der Gesellschaft von uns den vollen Einsatz unserer Ressourcen und unseres Potential verlangen. Präsenz, verstanden als Einheit von Körper und Seele, Flexibilität und Sensibilität, gepaart mit emotionaler Intelligenz und emotionaler Kompetenz, sind notwendige Eigenschaften in einer immer komplexeren und schnelleren Welt.

Körperpsychotherapeutische Methoden haben in den letzten 20 Jahren an Boden gewonnen, nicht nur im therapeutischen Bereich, sondern auch in anderen Berufsgruppen wie Lehrer, Tänzer, Schauspieler, Manager etc. In der Medizin zeigen uns körperpsychotherapeutische Verfahren, dass ein echt ganzheitlicher Ansatz für die Praxis damit möglich wird. Neben dem Gespräch und gewohnten Kontakt mit dem Patienten gibt es auch ein umfangreiches diagnostisches und technisches Instrumentarium zum  Verstehen und effizienten Behandeln von komplexen Störungen im psychosomatischen Bereich.

Mehrere internationale Studien zeigen,  dass nur bei ca. 16% aller Patienten eine primär organische Ursache gefunden wird, bei den andern oft unnötige,  teuere und uneffiziente Untersuchungen und Therapien durchgeführt werden. Dieses andauernde Missverständnis trägt zu den riesigen Kostenanstiegen in unserem Gesundheitssystem bei, ohne dabei die angewandte Gesundheitsfürsorge  zu verbessern. Demgegenüber haben relativ kurzdauernde psychosoziale Interventionen immer wieder einen signifikanten Effekt gezeigt, das Inanspruchnahmeverhalten zu reduzieren.

Dass psychotherapeutische Interventionen bei psychosomatischen Krankheiten hilfreich sein können, ist natürlich schon lange bekannt, eben so bekannt ist aber, dass gerade Patienten mit  Somatisierungsstörungen wenig motiviert sind für einen primär  psychotherapeutischen Zugang zu ihrer Leidensgeschichte. Hier greift nun Körperpsyhotherapie in die Lücke und zeigt Wege auf, wie man über einen  primär körperlichen Zugang direkter und schneller zur Motivation und Mitarbeit des Patienten gelangt, weil der Therapeut nicht primär nach einem psychischen Konflikt sucht, sondern mit Hilfe seiner diagnostischen und therapeutischen Methoden direkt einen Bezug zum bestehenden  Körpergeschehen und zur Symptomatik schaffen kann.

Körperpsychotherapeutische Verfahren haben sich in den letzten Jahren  besonders im deutschen Sprachbereich enorm entwickelt : In der Schweiz gibt es 12 Institute, die sich mit der Methode in Lehre und Forschung beschäftigen, eine Dachorganisation (CH-EABP) gibt eine Netzwerkstruktur und kümmert sich um Solidarität, Kommunikation und Qualitätssicherung in der Methode und fördert den Austausch zwischen ihren Vertretern.

Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit von Körperpsychotherapie® zeigt eine soeben erschienene Studie  von  C. Ventling  und  U. Gerhard, es handelt sich um eine Katamnese-Studie die aufzeigt, dass auch  7 Jahre nach Abschluss der Therapie positive Resultate vorliegen und was besonders wichtig ist, auch anhalten.

In einer Uebersichtsstudie zu den „ökonomischen Folgen von Fehlbehandlungen psychosomatischer und somatopsychischer Erkrankungen“ äussert sich F. Lamprecht, Vorsteher der Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover (1996). Diese Studie berechnet Kosteneinsparungen von 120 Milliarden DM pro Jahr in Deutschland, falls es gelingt ,die ineffizienten und teuren Diagnose- und Behandlungsversuche bei psychosomatischen Störungen durch geeignete ganzheitliche  psychosomatische Behandlung und Betreuung zu ersetzen.

Vom 16. bis 18. November 2000  findet in Basel der „.2. Schweiz. Kongress für Körperpsychotherapie®“ statt,   bei welchem  auch international Bekannte („Opinion –Leaders“ ) Hauptreferate halten werden, daneben finden 60 parallele Worhshops und Seminare statt. Ich möchte Sie herzlich dazu einladen.

Der Kongress steht unter folgendem Titel : Das Sichtbare und das Verborgene in der Körperpsychotherapie®. Als Hauptreferenten konnten verpflichtet werden: Wolf Büntig, Zist (München), Angela Klopstech (Internationales bioenergetisches Institut  New York), George Downing, Paris, Malcolm und Katherine Brown  (USA), Professor Siegfried Frey, Duisburg (Deutschland), Professor Fritz Popp, Neuss (Deutschland), David Boadella, Leiter des Internationalen Institutes für Biosynthese,  Heiden (Schweiz), Pamela Chubbuck, (USA), Prof. Ludwig Janus, Heidelberg, Franz Renggli, Basel und andere.

Das detaillierte Kongressprogramm  mit Abstrakts erscheint Ende September und wird auf Anfrage an alle Interessenten verschickt

 

Literatur:  

  1. C. Ventling, U. Gerhard; Zur Wirksamkeit bioenergetischer Psychotherapien und Stabilität des Therapieresultats : Eine retrospektive Untersuchung; Psychotherapeut 2000: 45:230-236;     Springer-Verlag 2000  

  2. Lamprecht F;  Die ökonomischen Folgen von Fehlbehandlungen psychosomatischer und somatopsychischer Erkrankungen

  3. Weitere Literatur beim Autor

Homepage: www.ch-eabp.ch

Dr.med. Thomas P. Ehrensperger, Basel,Präsident CH-EABP
Info:Kongressekretariat Fr. Birsinger, Tel.061 3031010 Fax:061 3014161
E-Mail: tpehrens@hin.ch  

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Geschichtlicher Abriss der Körperpsychotherapie®

In der griechischen Antike lehrte Hippokrates den Grundsatz der "mens sana in corpore sano" (Eine gesunde Seele in einem gesunden Körper). Diese Tradition lebte gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder auf, als Pioniere der Körperpsychotherapie®, wie Pierre Janet in Frankreich und Georg Groddeck in Deutschland feststellten, welche Bedeutung dem freien Atmen der Ausdrucksbewegung und Muskelentspannung bei der Behandlung emotionaler Stresszustände zukommt.

Sigmund Freud legte dar, dass das Ich zunächst und vor allem ein Körper-Ich ist. Wilhelm Reich entdeckte die zentrale Bedeutung der blockierten Atmung und des Muskelpanzers in der somatischen Verankerung neurotischer Zustände wieder. Er folgte Karl Abraham und Freud bei der Erforschung der Entstehung der Charakterstruktur, doch ging er darüber hinaus, als er aufzeigte, wie sich die Charakterstruktur in der Körperstruktur manifestiert. Die von ihm entwickelte Methode der Vegetotherapie basierte auf dem Gleichgewichtsprinzip des vegetativen Nervensystems, das unsere Gefühlszustände ,wie Freude, Ärger, Angst und Resignation reguliert. Reich präsentierte seine Arbeiten über den Zusammenhang zwischen psychischem Kontakt und vegetativen Strömen erstmals 1934 auf dem 13. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Psychoanalyse in Luzern.

Reich verwendete den Begriff "bio-energetisch" zur Beschreibung des Energieflusses im Körper, mit dem er in der Vegetotherapie arbeitete. Es sind bioenergetische Prozesse, die dem zellulären Metabolismus und unserem Gefühlsleben zugrundeliegen. Sie wurden gründlich durch den Biologen und Nobelpreisträger Albert Szent-Györgi erforscht. Der Energiefluss im Körper stellt die somatische Grundlage dessen dar, was Freud als "Libido" bezeichnete, und ist verbunden mit der nach aussen gerichteten Bewegung der Kontaktaufnahme, die Grundlage menschlicher Beziehung ist. Die Untersuchungen von René Spitz und John Bowlby aus den 50er Jahren wie auch Reichs Studien am Infant Research Centre zeigten, dass dieser Energiekontakt für die seelische Gesundheit essentiell ist: invasive (die körperlichen und psychischen Grenzen eines Menschen missachtende) oder deprivierende (Zuwendung und Liebe versagende) Störungen des natürlichen Kontaktes und der somatischen Resonanz zwischen Menschen sind Hauptursachen für die Entstehung von Neurosen.

Nach Wilhelm Reichs Tod im Jahre 1957 entstanden mehrere Körperpsychotherapie®formen auf bio-energetischer Grundlage, die alle Reichs fundamentales Werk in bestimmte Richtungen zu vertiefen und erweitern suchten. 1987 wurde in Oslo die European Association for Body-Psychotherapy (EABP) gegründet, um die vielen unterschiedlichen, aber verwandten Richtungen zusammenzuführen. Auf dem 4. Kongress der EABP in Strassburg 1993 wurde der Schweizerische Verband für Körperpsychotherapie® (CH-EABP) als erste nationale Organisation aufgenommen.

David Boadella

© CH-EABP
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